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Auch hier habe ich meine Daten hinterlassen, weil ich dachte, Hilfe bei meiner Kündigung zu bekommen. Stattdessen wurde der Anruf schnell zum Verkaufsgespräch.

Ich wollte nur ein Abo loswerden. Heute zahle ich jeden Monat an eine Firma, die ich nie beauftragt habe: abo-hilfe. Das hier ist mein persönliches Protokoll. Monat für Monat, Brief für Brief.
Ich schreibe das auf, weil ich lange geglaubt habe, ich sei die Einzige und selbst schuld. Beides stimmt nicht. Wenn du gerade deinen Kontoauszug in der Hand hältst und dich fragst, woher diese Abbuchung kommt, dann ist dieser Text für dich.
Es begann harmlos. Mein Fitnessstudio hatte sich stillschweigend um ein weiteres Jahr verlängert, mein Kündigungsschreiben war angeblich nie eingegangen. Ich war genervt, ich hatte wenig Zeit und ich wollte diese Sache einfach vom Tisch haben. Also habe ich gesucht, was Millionen Menschen in dieser Lage suchen: jemanden, der die Kündigung für mich übernimmt.
Das Formular war in zwei Minuten ausgefüllt. Name, Anschrift, Vertragsdaten, Telefonnummer. Der Rückruf kam noch am selben Nachmittag. Die Stimme am anderen Ende war freundlich, routiniert und sehr schnell. Es ging um meinen Vertrag, um Fristen, um Formulierungen. Und dann, fast beiläufig, ging es plötzlich um etwas ganz anderes.
Ob ich denn wisse, wie viele Verträge sich im Schnitt automatisch verlängern. Ob es nicht sinnvoll wäre, so etwas künftig überwachen zu lassen. Ein Paket gebe es da, die ersten Tage seien kostenfrei, kündbar sei es jederzeit, das sei wirklich nur eine Formalität. Ich habe nicht Ja gesagt, ich habe irgendwann nur noch zugestimmt, dass man mir Unterlagen schicken soll. Die Unterlagen kamen nie. Die Abbuchungen schon.

Ich dachte lange, ich sei einfach unaufmerksam gewesen. Bis ich Dutzende Berichte gelesen habe, die klingen wie meiner. Bis in die Formulierungen am Telefon hinein. Immer derselbe Ablauf, immer dieselben Sätze, immer dieselbe Reihenfolge.
Das ist der Punkt, an dem aus meiner Pechsträhne ein System wurde. Ein Zufall passiert einmal. Ein Ablauf, den Hunderte Menschen fast wortgleich beschreiben, ist kein Zufall mehr.
Ich wollte nur mein Fitnessstudio kündigen lassen. Am Telefon wurde mir plötzlich ein Schutzpaket von abo-hilfe angeboten. Angeblich kostenlos in den ersten Tagen, angeblich jederzeit kündbar, angeblich nur eine Formalität.
Seit dem Gespräch verschwindet jeden Monat Geld von meinem Konto. Für eine Leistung, die ich nie genutzt und nie bewusst bestellt habe. Immer am selben Werktag, immer mit demselben unauffälligen Verwendungszweck.
Drei Kündigungen per E-Mail, zwei per Post. Antwort: keine. Stattdessen kam die nächste Abbuchung. Pünktlich wie immer. Wer nicht bestätigt, muss auch nichts beenden, so fühlt es sich zumindest an.
Als ich die Zahlungen zurückbuchen ließ, meldete sich prompt eine Inkassostelle aus demselben Umfeld. Mit Mahngebühren, Fristen von wenigen Tagen und Formulierungen, die Angst machen sollen.
simplyright, abo-hilfe, smartkündigen. Unterschiedliche Webseiten, die unabhängig voneinander betrieben werden. Für mich sehen sie am Ende alle aufs Gleiche hinaus: dieselbe Masche.
Bei meiner Recherche sind mir immer wieder dieselben Namen begegnet. Jede Webseite steht für sich, aber am Ende bieten sie alle sehr ähnliche oder sogar gleiche Services an.
Auch hier habe ich meine Daten hinterlassen, weil ich dachte, Hilfe bei meiner Kündigung zu bekommen. Stattdessen wurde der Anruf schnell zum Verkaufsgespräch.
Das Schutzpaket, das mir am Telefon angeboten wurde. Die Firma, die seitdem monatlich von meinem Konto abbucht. Eine Abzocke, die sich mit jeder Abbuchung wiederholt.
Eine weitere Marke, die auf Menschen zielt, die aus einem Vertrag herauswollen. Auch hier steht im Kern nicht die Kündigung, sondern der Verkauf eines zusätzlichen Pakets.
Wer ein Inkassoschreiben erhalten hat, kann sich dort melden und Unterstützung bekommen. Für mich fällt der Name trotzdem unter dasselbe Muster, weil er auf Menschen zielt, die gerade unter Druck stehen.
Ich habe irgendwann angefangen, alles mitzuschreiben. Nicht aus Ordnungsliebe, sondern weil ich am Telefon jedes Mal von vorne anfangen musste. Das hier ist die Kurzfassung eines Jahres.
Anruf wegen meiner Kündigung. Freundlich, schnell, kompetent. Am Ende des Gesprächs habe ich angeblich einem Vorteilspaket zugestimmt. Eine Bestätigung darüber habe ich nie gesehen.
Erste Abbuchung von abo-hilfe. Ich rufe an. Ich werde zweimal weiterverbunden, dann herausgeworfen. Niemand ist zuständig, niemand ruft zurück.
Schriftliche Kündigung per E-Mail und Post. Keine Bestätigung, keine Reaktion. Die Abbuchungen laufen weiter, als wäre nichts geschehen.
Rückbuchung über meine Bank. Meine Beraterin sagt, das komme in letzter Zeit öfter vor. Zwei Wochen später liegt das erste Inkassoschreiben im Briefkasten.
Verbraucherzentrale eingeschaltet. Dort ist der Name längst bekannt. Ich bin also nicht unaufmerksam gewesen, ich bin eine von vielen.
Einschreiben mit Rückschein, Fristsetzung, Widerruf. Endlich eine Antwort. Sachlich, knapp, ohne Entschuldigung. Zwölf Monate für einen Vorgang, der zwei Minuten hätte dauern müssen.
Nicht der Betrag. Sondern das Gefühl, dass hier ein System läuft, das genau auf Menschen zielt, die ohnehin schon ein Problem haben: Menschen, die aus einem Vertrag herauswollen und deshalb Hilfe suchen. Genau in diesem Moment der Unsicherheit wird ihnen am Telefon ein neues Abo verkauft. Aus einem Problem werden zwei.
Wütend macht mich auch, wie viel Zeit das kostet. Zwölf Monate, in denen ich Briefe geschrieben, Fristen notiert, in Warteschleifen gehangen und mich immer wieder erklärt habe. Zeit, die für die andere Seite ein Geschäftsmodell ist und für mich schlicht Lebenszeit.
Und wütend macht mich, wie leicht es funktioniert hat. Ich bin nicht naiv, ich lese Verträge, ich arbeite mit Zahlen. Es hat trotzdem geklappt. Wer glaubt, ihm könne so etwas nicht passieren, hat einfach noch nicht den richtigen Anruf zum falschen Zeitpunkt bekommen.
Das ist keine Rechtsberatung, das kann und darf ich nicht leisten. Es ist eine Liste der Dinge, die ich beim nächsten Mal von der ersten Minute an anders machen würde.
Ein mündliches Ja am Telefon reicht in vielen Fällen aus, damit ein Vertrag behauptet wird. Ich bitte inzwischen grundsätzlich um Unterlagen per E-Mail und lege danach auf.
Kleine Beträge fallen kaum auf. Genau darauf zielt das Ganze. Ich gehe meine Umsätze jetzt einmal im Monat Zeile für Zeile durch.
E-Mail ist bequem, aber schwer zu beweisen. Einschreiben mit Rückschein und eine klare Frist haben bei mir mehr bewirkt als ein Jahr Telefonate.
Eine Forderung wird nicht dadurch berechtigt, dass sie laut vorgetragen wird. Ich habe schriftlich widersprochen und die Verbraucherzentrale eingeschaltet.
Datum, Uhrzeit, Name, Gesprächsinhalt, jeder Brief als Kopie. Mein Ordner ist inzwischen zwei Finger dick und war jeden einzelnen Zettel wert.
Ich habe mich lange geschämt. Als ich es erzählt habe, kannten zwei Bekannte dieselbe Geschichte. Scham ist der beste Schutz für so ein Geschäftsmodell.
Seit ich meine Geschichte erzähle, bekomme ich immer wieder dieselben Fragen gestellt. Hier sind meine Antworten, so ehrlich ich sie geben kann.
Ich habe im Internet nach Hilfe bei einer Kündigung gesucht und ein Formular ausgefüllt. Kurz darauf kam ein Rückruf. In diesem Telefonat ging es nach wenigen Sätzen nicht mehr um meine Kündigung, sondern um ein zusätzliches Paket, das mich angeblich künftig vor teuren Verträgen schützen sollte.
Seit dem Monat nach dem Telefonat. Die Abbuchung erscheint auf dem Kontoauszug mit einem Verwendungszweck, der auf den ersten Blick nach einer Vertragsnummer aussieht und den man leicht übersieht.
Auf meine E-Mails kam keine Reaktion. Auf meine Briefe kam keine Bestätigung. Die Hotline war entweder besetzt oder die Person am Telefon war nach eigener Aussage nicht zuständig. Erst als ich per Einschreiben mit Rückschein und mit einer Frist geschrieben habe, kam überhaupt eine Antwort.
Zwei Wochen nach der ersten Rücklastschrift lag ein Inkassoschreiben im Briefkasten. Zum ursprünglichen Betrag kamen Rücklastschriftgebühr, Mahngebühr und eine Inkassopauschale. Der Ton war deutlich schärfer als alles, was ich vorher von diesem Anbieter gehört hatte.
Ich würde am Telefon nichts zusagen, sondern um schriftliche Unterlagen bitten. Ich würde jede Abbuchung sofort prüfen und ich würde von Anfang an alles dokumentieren: Datum, Uhrzeit, Name der Person am Telefon, jede E-Mail, jeden Brief.